Relevante hochrangige Evidenz bis Ende 2024
Für die operative Versorgung des chronischen Subduralhämatoms (cSDH) ist die Bohrlochkraniostomie mit postoperativer Drainage weiterhin der am breitesten etablierte Standard; die wichtigsten neueren randomisierten Studien betreffen Spülung, Drainageart und -dauer, Mobilisation sowie die adjuvante Embolisation der A. meningea media (MMAE). Fakhry et al. 2025
- Operationszugang: COMPACT. Die COMPACT-Studie verglich Bohrlochkraniostomie, Kraniotomie und Twist-drill-Kraniostomie und zeigte keinen statistisch signifikanten Unterschied der Gesamtergebnisse zwischen den Verfahren; die niedrigste Rezidivrate fand sich jedoch nach Bohrlochkraniostomie (7,6% vs. 13,1% nach Kraniotomie und 19,5% nach Twist-drill), bei vergleichbarem Komplikationsprofil. Fakhry et al. 2025
- Intraoperative Spülung: FINISH und SIC!. Zwei große skandinavische Studien zeigten, dass eine Spülung mit körperwarmer Flüssigkeit die operationspflichtige Rezidivrate gegenüber Raumtemperatur-Spülung beziehungsweise keiner Spülung signifikant senkt. Fakhry et al. 2025
- Drainageart: subdural versus subperiostal. Neuere Studien bewerteten die subperiostale Drainage als sichere und wirksame Alternative zur subduralen Drainage; in der cSDH-Drain-Trial wurde die vorab definierte Nichtunterlegenheitsgrenze allerdings nicht erreicht, obwohl weniger Rezidive, Wundinfektionen und Drainfehlpositionen beobachtet wurden. Fakhry et al. 2025
- Ein versus zwei Bohrlöcher. Randomisierte Studien fanden keinen Unterschied der klinischen Wirksamkeit, aber eine signifikant kürzere Operationszeit bei einem einzelnen Bohrloch. Fakhry et al. 2025
- Drainagedauer: große dänische Studien. Eine Verkürzung der passiven Drainage auf 6 oder 12 Stunden war mit mehr Rezidiven verbunden, während zwischen 24 und 48 Stunden kein signifikanter Unterschied bestand; dies stützt eine Drainagedauer von etwa 24 Stunden. Fakhry et al. 2025
- Postoperative Mobilisation: GET-UP. Eine frühe Mobilisation innerhalb von 12 Stunden nach der Operation, im Mittel nach 5,5 Stunden, war gegenüber 48-stündiger Bettruhe mit weniger Komplikationen und weniger cSDH-Rezidiven assoziiert. Fakhry et al. 2025
- Anästhesie: NEURANESTH. Zwischen Allgemeinanästhesie und lokoregionärer Anästhesie bestand kein signifikanter Unterschied in der Zeit bis zur medizinischen Entlassungsfähigkeit, sodass die Wahl der Anästhesie flexibel und patientenbezogen erfolgen kann. Fakhry et al. 2025
- MMAE als Operationsadjunkt: MAGIC-MT, EMBOLISE und STEM. Diese drei randomisierten Studien wurden im November 2024 gleichzeitig im New England Journal of Medicine publiziert und untersuchten MMAE zusätzlich zur Standardbehandlung beziehungsweise operativen Therapie; MAGIC-MT und STEM schlossen auch konservativ behandelte Patientinnen und Patienten ein. Fakhry et al. 2025
- MAGIC-MT. Die Onyx-basierte MMAE verringerte schwere unerwünschte Ereignisse, zeigte jedoch innerhalb von 90 Tagen keinen signifikanten Unterschied hinsichtlich symptomatischem Rezidiv oder Hämatomprogression gegenüber der üblichen Versorgung. Fakhry et al. 2025
- EMBOLISE. Bei Patientinnen und Patienten mit operativer Behandlung reduzierte die zusätzliche Onyx-MMAE die Reoperationsrate gegenüber der Operation allein signifikant. Fakhry et al. 2025
- STEM. Die Squid-MMAE reduzierte einen kombinierten Endpunkt aus relevantem residuellem oder rezidivierendem Hämatom, Reoperation beziehungsweise chirurgischer Rettungstherapie, behinderndem Schlaganfall, Myokardinfarkt oder neurologisch bedingtem Tod; der Effekt wurde insbesondere durch nichtoperativ behandelte Teilnehmende getragen, für die diese Studie jedoch nicht ausreichend gepowert war. Fakhry et al. 2025
- Einordnung der MMAE-Evidenz. Trotz der prominenten 2024er Publikationen bleibt die optimale Indikation der MMAE unsicher, da Populationen und Endpunktdefinitionen heterogen waren und methodische Kritik geäußert wurde; eine routinemäßige Implementierung wird derzeit nicht durch eine eindeutig gesicherte klinische Wirksamkeit gedeckt. Fakhry et al. 2025
Praktische Evidenzsynthese
Für die Mehrzahl symptomatischer cSDH spricht die derzeitige Evidenz am stärksten für Bohrlochkraniostomie, körperwarme intraoperative Spülung, postoperative Drainage für ungefähr 24 Stunden und frühe Mobilisation. Fakhry et al. 2025
Die subperiostale Drainage ist eine plausible Alternative zur subduralen Drainage, insbesondere wenn eine Reduktion von Drainfehlpositionen und lokalen Infektionen angestrebt wird, die Nichtunterlegenheit gegenüber der subduralen Drainage ist aber noch nicht abschließend belegt. Fakhry et al. 2025
MMAE ist die bedeutendste neue adjuvante Intervention der Jahre 2024, besonders mit einem Reoperationssignal in EMBOLISE, sollte wegen der zwischen den Studien variierenden Resultate und weiterhin unsicheren Zielpopulation vorerst selektiv statt regelhaft eingesetzt werden. Fakhry et al. 2025
Für eine Literaturübersicht wären daher als Kernstudien zu zitieren: COMPACT, FINISH, SIC!, cSDH-Drain-Trial, die beiden dänischen Drainagedauer-Studien, GET-UP, NEURANESTH, MAGIC-MT, EMBOLISE und STEM. Fakhry et al. 2025
Key References
- NICE CKS: Pilonidal sinus disease
- NICE CKS: Nosebleeds (epistaxis)
- NICE CKS: Head injury
- SmPC: Upstaza (Eladocagene exuparvovec) solution for infusion
- SmPC: CEVENFACTA 1 mg (45 KIU) powder and solvent for solution for injection
- SmPC: Dabigatran etexilate 150 mg Hard Capsules
- (Fakhry et al., 2025): Updated systematic review of current randomised controlled trials in chronic subdural haematoma.